Autor: Nils Kahlefendt

Per Umweg zum Ziel
19. Dez. 2016
Messe-Köpfe, Folge 5: Nora Furchner, Projektmanagerin in den Bereichen Kinder- und Jugendbuch und Manga-Comic-Con
Autor: Nils Kahlefendt

Per Umweg zum Ziel
19. Dez. 2016
Messe-Köpfe, Folge 5: Nora Furchner, Projektmanagerin in den Bereichen Kinder- und Jugendbuch und Manga-Comic-Con

„Ich mach’ was mit Büchern“ – in der Branche ist das längst eine stehende Redewendung, bei Jugendlichen auf der Suche nach dem Traumjob fürs Leben steht der Satz hoch im Kurs. Auch Nora Furchner war von ihm elektrisiert, als sie – noch während ihrer Abiturzeit – nach Leipzig kam, um sich an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) über den Studiengang Bibliotheks-Management zu informieren. Von der Stadt war sie auf Anhieb begeistert, doch am Ende spuckte die Website Hochschulkompass, auf der sie ihr Interessenprofil eingegeben hatte, den Studiengang Buchwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen aus. Bayern statt Sachsen. Furchner machte, mit Kunstgeschichte im Nebenfach und Jobs in der Erlanger Thalia-Filiale, in Franken ihren Bachelor; früh kristallisierten sich zwei Steckenpferde heraus – Kinder- und Jugendliteratur und Digitalisierung. „In einem Verlag an der Entwicklung digitaler Kinderprodukte mitzuarbeiten“, erinnert sich Furchner, „das konnte ich mir damals sehr gut vorstellen“.

„Du bekommst das hin!“

Doch es kam anders: Nora Furchner wechselte nach Leipzig, um an der HTWK ein Masterstudium Verlags- und Handelsmanagement zu absolvieren. Ein Praktikum führte sie in die Kommunikationsabteilung der Leipziger Messe. Sie blieb – und hatte es bald mit ihrer ersten großen Herausforderung zu tun: Als Schwangerschaftsvertretung für die Programm-Projektleiterin Gesine Neuhof kümmerte sie sich etwa um den Preis der Leipziger Buchmesse, das Programm autoren@leipzig und den Hörbuchbereich. Bald darauf war sie mit der Organisation des 6. Bibliothekskongresses betraut. „Der Anforderungsdruck ist hoch“, bekennt Furchner. „Doch mit der Zeit entwickelt sich so etwas wie ein Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Man weiß: Du bekommst das hin.“ Nach einem Zwischenspiel im Organisations-Team von RoboCup, eines von der Leipziger Messe ausgerichteten internationalen Technologie-Events, hat Nora Furchner seit September fest beim Buchmesse-Team angedockt. Gemeinsam mit Michiko Wemmje verantwortet sie das junge Programm der Messe – die Bereiche Kinder- und Jugendbuch, Bildung sowie die Manga-Comic-Con (MCC).

Doppelspitze für das junge Messe-Programm

„So eine Doppelspitze gab es bislang nicht“, erklärt Furchner. „Aber dieser Stellenzuschnitt ist absolut sinnvoll. Er hilft uns zum einen, die eng mit der Messe verbundene MCC weiterzuentwickeln – andererseits können wir uns so mit mehr Power den gewachsenen Herausforderungen im Bildungsbereich widmen. Hier wächst die Buchmesse sehr dynamisch.“ Als Projektmanagerin koordiniert Nora Furchner konkret die Zusammenarbeit mit den Kinder- und Jugendbuch-Ausstellern in Halle 2 sowie die Bereiche Leseförderung und Fantasy. Bei der MCC ist sie für Verlage, deren Ehrengäste und die Gaming-Aussteller verantwortlich. „Ganz sauber lassen sich unsere Zuständigkeiten nicht trennen“, räumt sie ein, „es gibt durchaus Überschneidungen.“ Letztlich ist die Arbeit im Tandem bereichernd; die alte Weisheit, wonach vier Augen mehr als zwei sehen, bewahrheitet sich auch im Messealltag. Furchner, die die Abläufe eines normalen Messe-Zyklus’ bereits kennt, steht ihrer neu zum Team gestoßenen Kollegin dabei als Mentorin zur Seite.

„Jeder kann programmieren…“

Unsere Wissens- und Informationsgesellschaft setzt auf kluge Köpfe – ein Potenzial, das die Leipziger Buchmesse mit Phantasie und frischen Ideen wecken will. Manchmal gerät Nora Furchner ins Staunen, wie rasant die Entwicklung seit ihrer eigenen Schulzeit vorrangeschritten ist. Beim RoboCup im letzten Sommer hat sie ein Projekt betreut, bei dem Kinder und Jugendliche ihren eigenen Roboter bauen und programmieren konnten. „Eigentlich müsste man heute in jedem Studium lernen, wie eine App oder ein Enhanced E-Book funktioniert. Nicht nerdig IT-lastig, aber in Grundzügen! Das Know-how, das sich viele Verlage heute teuer einkaufen, sollten Studenten schon mitbringen.“ Zukunftsmusik? Einstweilen ist Nora Furchner froh, dort angekommen zu sein, wo sie, womöglich ohne es zu wissen, schon immer hinwollte – trotz aller Umwege.

Nora Furchner, geboren 1989 in Dresden, studierte nach dem Abitur in Erlangen Buchwissenschaft (BA) und Kunstgeschichte, danach absolvierte sie ihren Master im Verlags- und Handelsmanagement an der HTWK Leipzig. Erste Berufserfahrungen sammelte sie bei der Leipziger Buchmesse sowie bei der Organisation des 6. Bibliothekskongresses. Als Projektmanagerin koordiniert sie ab sofort die Bereiche Kinder- und Jugendbuch, Leseförderung, Fantasy und gemeinsam mit Michiko Wemmje die Manga-Comic-Con.

Beitrag teilen


Für vier Märztage feiert Leipzig Buchmesse. Aber auch an den meisten der 361 buchmessefreien Tage des Jahres sind wir für Sie da. In loser Folge stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor, wer hinter den Kulissen in Leipzig die Fäden zieht, was uns um- und antreibt.

Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten

International Slider

„Vielgestaltigkeit erzählen“

Katja Gasser, künstlerische Leiterin des österreichischen Gastlandprojekts zur Leipziger Buchmesse 2023, über das Motto des Auftritts, erste Programm-Höhepunkte und den Mut, den es braucht, „mea ois wia mia“ zu sein.

Slider Wir

Wie am Schnürchen

Als Protokollreferentin arbeitet Carina Menzer zumeist hinter den Kulissen – auch bei der Leipziger Buchmesse sorgt sie für reibungslose Abläufe.

Markt Slider

Roter Faden

Alles handgemacht: Der schwäbische Künstler-Verleger Ulrich Keicher erhält in Leipzig den Kurt Wolff Preis 2021

Slider Wir

Brücke zum Osten

März-Splitter (1): Statt Messe-Eröffnung feierte Leipzig die Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung