Autor: Nils Kahlefendt

Foto: Nils Kahlefendt

„Außendienst im Innendienst“
27. Jan. 2021
Blick zurück nach vorn (9): Verlagsvertreterin Regina Vogel über Buchhandelsbesuche per Skype und die virtuelle Reise.
Autor: Nils Kahlefendt

Foto: Nils Kahlefendt

„Außendienst im Innendienst“
27. Jan. 2021
Blick zurück nach vorn (9): Verlagsvertreterin Regina Vogel über Buchhandelsbesuche per Skype und die virtuelle Reise.

Womit Sind sie gerade beschäftigt?

Regina Vogel: Heute wäre ich, wie auch die übrige Woche, in Berlin gewesen. Nach einigem Ringen habe ich beschlossen, bis auf weiteres alle Buchhandlungstermine abzusagen. Ich biete stattdessen Telefon- oder Skype-Termine an; einige Termine habe ich hoffnungsvoll in den März geschoben.

Wie wird das angenommen?

Vogel: Grundsätzlich herrscht großes Verständnis. Ich habe bisher schon viele sehr gute Telefontermine gehabt.

Wie sind sie durch das Corona-Jahr 2020 gekommen?

Vogel: Das fühlt sich für mich noch gar nicht abgeschlossen an – es geht ja weiter. Bislang bin ich gesundheitlich wie ökonomisch durch alles gut durchgekommen – natürlich mit vielen Umstellungen. Im Prinzip mache ich seit März – bis auf wenige Wochen im Sommer – Außendienst im Innendienst. Ich habe gerade mit meinen Kollegen Michel Theis und Christiane Krause vom Büro Indiebook gesprochen, mit denen zusammen ich Deutschland bereise; wir alle drei haben festgestellt, wie sehr uns der Kulissenwechsel fehlt. Wir sind es einfach gewohnt, unterwegs zu sein, andere Bilder zu haben, anderen Menschen zu begegnen – nun sitzen wir auf einmal in unseren Wohnungen und haben nur noch virtuelle Kontakte. Das ist schon eine gewaltige Umstellung; das Schöne am Vertreterberuf ist doch normalerweise, dass man in ganz vielen Bereichen ganz unterschiedlich unterwegs ist. Und im Wechsel zwischen Verlags-Konferenzen und Buchhandelsbesuchen sind auch die Gespräche immer anders. Es ist eigentlich ein unglaublich lebhafter Beruf, der jetzt gerade sehr reduziert stattfindet. Immerhin: Er kann stattfinden!

Was hat Sie am meisten überrascht?

Vogel: Was mich gefreut und überrascht hat: Dass die kleinen Buchhandlungen – die ja die natürlichen Partner der Independent-Verlage sind, unheimlich viel Kraft und Energie aufgebracht haben, um Wege zu finden, an ihre Kunden ranzukommen. Und dass sie es bravourös geschafft haben, Kundenbindungen aufzubauen.

Wie geht es weiter? Was erhoffen Sie sich fürs nächste Jahr?

Vogel: Es ist schwierig. Wir haben alle nicht die Glaskugel in der Hand und können sagen: Dann und dann geht’s weiter. Wir vermitteln ja gegenwärtig auch zwischen Verlagen und Buchhandlungen, beraten beide. Wir geben den Verlagen Feedback, wie ihre Programme angenommen werden – und wie man das Jahr weiter planen kann. Es ist natürlich nicht einfach, einer aktuell geschlossenen Buchhandlung zu sagen, welche Bücher sie braucht.

Und Leipzig?

Vogel: Die Leipziger Buchmesse ist unsere Hoffnung, das merkt man bei allen Gesprächen. In Klammern immer mitgesprochen: Vorausgesetzt, bis dahin kann man wieder etwas entspannter miteinander umgehen. Ein Satz fällt immer, egal, ob es sich um Buchhandlungen oder Verlage handelt: Hoffentlich sehen wir uns in Leipzig! Und wenn es in einer abgespeckten Form ist. Aber das wäre ein Ziel!

Regina Vogel, 1965 in Wuppertal geboren, ist gelernte Buchhändlerin. Nach ihrem Umzug nach Leipzig 1992 übernahm sie die Leitung der Buchhandlung an der Thomaskirche und war Mitbegründerin der Messebuchhandlung. Seit 2013 arbeitet sie als freie Verlagsvertreterin für unabhängige Verlage (www.buero-indiebook.de). Seit 2019 ist sie Mitglied der Jury für den Deutschen Buchhandlungspreis. Regina Vogel wohnt in Leipzig.

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Das Jahr mit Corona war ein Stress-Test für die Branche, die sich als erstaunlich resilient und belastbar erwies. In unserer Serie „Blick zurück nach vorn“, deren Interviews in den ersten Januartagen geführt wurden, wollen wir teilen, wie Buchmenschen durch die Krise gekommen sind, was sie gelernt haben – und was sie sich für 2021 erhoffen. Momentaufnahmen einer Branche, die auf Sicht fahren muss – und doch insgesamt gerade über sich selbst hinauszuwachsen scheint.

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