Autor: Nils Kahlefendt

Fotos: © Nils Kahlefendt, MDR, SWR

Bühne für den Bücherfrühling
19. Mai. 2021
Live aus der Alten Börse: Die ARD setzt mit vier Tagen Sonderprogramm ein deutliches Zeichen für Literatur und Kultur
Autor: Nils Kahlefendt

Fotos: © Nils Kahlefendt, MDR, SWR

Bühne für den Bücherfrühling
19. Mai. 2021
Live aus der Alten Börse: Die ARD setzt mit vier Tagen Sonderprogramm ein deutliches Zeichen für Literatur und Kultur

Bereits nach der pandemiebedingten Absage der Leipziger Buchmesse im März 2020 hatte MDR Kultur innerhalb einer Woche sein komplettes Live-Bühnenprogramm in ein digitales Studioprogramm umgeplant. „Über zehn Stunden nonstop Livestream-Bewegtbild aus einem Radiostudio“, sagt MDR Kultur-Literaturchefin Katrin Schumacher, „das war eine absolute Premiere“.

Im Rahmen von Leipzig liest extra veranstaltet die ARD unter Federführung des MDR nun vom 27. bis 30. Mai eine regelrechte Literaturoffensive. „Wir können zwar keine Messe substituieren, aber wir können zumindest eine kleine Bühne bauen“, so Schumacher. Das ist fast tiefgestapelt: Denn das ARD-Forum schlägt seine Zelte in der Alten Handelsbörse am Naschmarkt im Herzen Leipzigs auf und sendet an vier Tagen live. Alle ARD-Anstalten sind dabei – mit Inhalten und bei der Ausstrahlung.

So wird es etwa ein Druckfrisch-best-of mit Denis Scheck geben, ein MDR Kultur-Radiocafé mit Lokalmatador Clemens Meyer oder einen von Carsten Otte moderierten Kritiker-Talk der SWR-Bestenliste mit Sigrid Löffler, Gerrit Bartels und Hubert Winkels. Auch wenn es kein Publikum vor Ort geben wird, sei man damit nah an den Menschen, sagt Schumacher. „Was wir dort machen, ist aber natürlich doch eine große digitale Publikumsveranstaltung – wir streamen live aus der Mitte der Messestadt und produzieren alle Gespräche für die ARD Mediathek und die ARD Audiothek.“

Mit dabei sind Buchpreisnominierte wie Judith Hermann, Helga Schubert oder Dan Diner, aber auch Igor Levit, Hengameh Yaghoobifarah, Sophie Passmann, Dmitrij Kapitelman, Mithu Sanyal und Johny Pitts. Alles in allem kann man über 30 Stunden Literatur mit mehr als 50 Autorinnen und Autoren erleben, zu sehen und zu hören auf dem Portal von Leipzig liest extra [https://www.leipziger-buchmesse.de/de/news/lasst-uns-lesen-leipziger-buchmesse-veranstaltet-leipzig-liest-extra] sowie als Livestream auf buchmesse.ard.de [https://www.mdr.de/kultur/buchmesse/index.html] sowie on demand in der ARD-Mediathek und der ARD-Audiothek.

Ein besonderes Highlight ist die dreistündige „ARD Radio Kulturnacht – Unter Büchern“ am Samstag, 29. Mai ab 20 Uhr live aus der Alten Handelsbörse. Gäste sind Helga Schubert, Judith Hermann, Michel Decar, Simone Buchholz, Dana Grigorcea, Robert Habeck, Monika Helfer und Joseph Vogl. Die Sendung wird von allen Kulturwellen der ARD live aus Leipzig übertragen und ist anschließend in der ARD-Audiothek zu hören.

Und auch innovative neue Formate sind bei Leipzig liest extra zu erleben. So hat etwa MDR Kultur mit beträchtlichem Aufwand drei je 30 Minuten lange Filme zu derzeit laufenden literarisch-gesellschaftlichen Debatten produziert:

Der Film „Können Bücher die Welt retten?“ stellt neue Literatur vor, die unser Verhältnis zur Natur hinterfragt. „Um „New Crime“, also ein neues Schreiben über Gewalt und Verbrechen in unserer Gesellschaft, geht es im Film „Können Bücher einen Mord begehen?“. Vorgestellt wird unter anderem das Autorinnen-Netzwerk „Herland“, das mit herkömmlichen Klischees vom weiblichen Opfer und männlichen Retter brechen will.

Im Film „Können Bücher Heimat sein?“ stehen deutsche Autorinnen und Autoren mit Migrationshintergrund im Mittelpunkt, etwa Shida Bazyar, der Youtuber Slavik Junge, Lena Gorelnik und Dmitrij Kapitelman. Sie sind im Literaturfrühling 2021 so präsent wie noch nie. Gerade junge Schriftstellerinnen schreiben über ihre Sicht auf unsere Gesellschaft – reflektiert, wütend, kunstvoll. Alle drei Filme sind zum Start von Leipzig liest extra in der ARD-Mediathek abrufbar und werden am 27., 28. und 29. Mai im MDR-Fernsehen ausgestrahlt.

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