Autor: Nils Kahlefendt

Netzwerkarbeit in alle Richtungen
24. Februar 2020
Mit Goethe nach LE: Claudia Amthor-Croft und Hannah Brennhäußer über ein Projekt für Literatur-Profis aus Südosteuropa
Autor: Nils Kahlefendt

Netzwerkarbeit in alle Richtungen
24. Februar 2020
Mit Goethe nach LE: Claudia Amthor-Croft und Hannah Brennhäußer über ein Projekt für Literatur-Profis aus Südosteuropa

Wer kommt nach Leipzig – und wie haben Sie die Expertinnen und Experten gefunden?

Claudia Amthor-Croft: Wir haben diese Reise durch die Goethe-Institute vor Ort in den zehn südosteuropäischen TRADUKI-Ländern ausgeschrieben. Gesucht wurde pro Land ein*e Vertreter*in der jeweiligen Literaturszene. Dazu wurde eine Jury aus den Partnerinstitutionen gebildet, in der Kolleg*innen der Leipziger Buchmesse, der S. Fischer Stiftung, des Auswärtigen Amts und des Goethe-Instituts saßen.

Hannah Brennhäußer: Eingeladen sind nun unterschiedliche Vertreter*innen der Literaturbranche (fünf Frauen, fünf Männer) mit einem breiten beruflichen Hintergrund: Autor*innen, Übersetzer*innen und Verlagsmitarbeiter*innen, zum Teil aus dem Foreign-Rights-Gebiet, zum Teil aus der Programmarbeit; aber auch Verleger*innen von kleinen Independent-Verlagen. Dazu auch Literaturvermittler*innen, die Festivals oder Veranstaltungen organisieren. Also sehr viel Know-how aus dem aktuellen Literaturbetrieb dieser Länder. Das besondere an den Teilnehmer*innen ist, dass die meisten gleich mehrere Funktionen innehaben und sehr gut in den jeweiligen Szenen vernetzt sind.

Was sind die Ziele dieses Programms?

Amthor-Croft: Wir möchten, dass sich die Teilnehmer*innen der Reise persönlich kennenlernen und die Gelegenheit erhalten, sich direkt auszutauschen. Natürlich sind die offiziellen Netzwerke wichtig, aber es geht nichts über individuelle, vertrauensvolle Kontakte. Wir möchten damit einen Grundstein legen für mittel- und längerfristige zukünftige Zusammenarbeit – innerhalb dieser Länder, und natürlich auch mit den deutschsprachigen Ländern. Sie sehen: Netzwerkarbeit in alle Richtungen!

Was haben Sie vom 11. bis 14. März vor?

Brennhäußer: Das Programm beginnt mit der offiziellen Buchmessen-Eröffnung im Gewandhaus. Anschließend wird es zwei Schwerpunkte geben: Am Donnerstag und Freitag werden sich die Teilnehmer*innen auf der Messe aufhalten. Der erste Tag wird die Aktivitäten der Leipziger Buchmesse mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen und thematischen Rundgängen in den Mittelpunkt rücken. Auch an der offiziellen Eröffnung des Common-Ground-Programms am Donnerstag (12.00 Uhr, Schwerpunktregion 2020-2022: Common Ground. Literatur aus Südosteuropa – Common Ground TRADUKI Forum, Halle 4, D507) werden unsere Gäste teilnehmen. Am Messefreitag stehen der deutschsprachige Buchmarkt und die Literaturvermittlung in und aus den deutschsprachigen Ländern auf der Agenda. Daneben liegt der Fokus auch auf deutschsprachiger Literatur, die sich für Übersetzungen nach Südosteuropa anbietet. Hier wird es ein Speed Dating mit deutschsprachigen Verlagen geben. Dabei wird man individuell und gegenseitig ausloten können, welche Titel für den jeweiligen Gesprächspartner*innen spannend sein könnten.

Gibt es ein kulturelles Rahmenprogramm?

Brennhäußer: Am Donnerstagabend besuchen wir mit unseren Gästen im Kaiserbad in Leipzig-Plagwitz die Veranstaltung „Zugezogen. Feminin“ mit fünf Autorinnen aus fünf Ländern – oder entdecken spannende junge deutsche Autor*innen bei der „Langen Leipziger Lesenacht“ in der Moritzbastei. Am Freitagabend sind wir im Literaturhaus Leipzig bei „Die guten Tage“, einem „Casinoabend“ mit Drago Jančar und weiteren Autor*innen. Es sind zweieinhalb sehr, sehr vollgepackte Tage.

Amthor-Croft: Für uns ist einerseits die Vermittlung der deutschsprachigen Literatur in die südosteuropäischen Länder wichtig. Aber selbstverständlich braucht es auch den Literatur-Transfer aus den TRADUKI-Ländern, so wie auch der Austausch der Länder untereinander gefördert werden soll. Es ist ein Dreiklang im besten Sinn des Wortes.

Heute spricht man allenthalben von „Nachhaltigkeit“, auch Netzwerke müssen gepflegt werden. Wie geht es weiter?

Amthor-Croft: Nachhaltigkeit ist auch für das Goethe-Institut ein Schwerpunkt bei der Planung und Durchführung der kulturellen Programme. Wir werden die Reise im Nachgang mit unseren Partnerinstitutionen evaluieren und uns dann überlegen, wie wir das Projekt fortsetzen. In gewisser Weise ist die Buchmesse ein Zukunfts-Labor, in dem sich viele kreative Ideen ausprobieren lassen.

Claudia Amthor-Croft studierte in Münster, Paris und Köln Romanistik, Geschichte und vergleichende Literaturwissenschaft. Sie arbeitet seit 1988 am Goethe-Institut und war im Ausland in der kulturellen Programmarbeit in Sao Paulo, Mailand, Wellington, Paris und London tätig und leitet nun in der Zentrale des Goethe-Instituts in München den Bereich Literatur und Übersetzungsförderung.

Hannah Brennhäußer hat nach ihrem Studium der Interkulturellen Germanistik und der Medienwissenschaft an den Universitäten Tübingen, Bayreuth und Niterói für das Goethe-Institut in Rio de Janeiro, Berlin und München gearbeitet. Seit 2018 ist sie als Projektleitung für verschiedene literarische Sonderprojekte im Bereich Literatur und Übersetzungsförderung zuständig, so auch für das Einladungsprogramm zur Leipziger Buchmesse 2020.

Foto © Goethe Institut

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Die Leipziger Buchmesse organisiert vom 11. bis 14. März zusammen mit dem Goethe-Institut und unterstützt vom Auswärtigen Amt und der S. Fischer Stiftung ein Einladungsprogramm für Literaturbetriebs-Profis aus Südosteuropa. Das Programm bietet die einmalige Möglichkeit, den deutschen Buchmarkt und die Leipziger Buchmesse aus nächster Nähe kennenzulernen.

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