Autor: Ruth Justen

Neuer Ort für junge Literatur
21. Feb. 2018
Kupfersaal Leipzig: Von der Bierwirtschaft zum Szenetreff
Autor: Ruth Justen

Neuer Ort für junge Literatur
21. Feb. 2018
Kupfersaal Leipzig: Von der Bierwirtschaft zum Szenetreff

Fast dreißig Jahre ist es her, dass die Friedliche Revolution das Gesicht Leipzigs veränderte. Mit dem Fall der Mauer kamen unzählige Bagger und Bauleute zum Einsatz. Haus für Haus erstand in neuem Glanz. Trotz dieser Glanzleistung öffnet noch immer Jahr für Jahr ein neues Schmuckstück seine Tore. Seit September 2017 schmückt der Kupfersaal im „Dresdner Hof“ das Leipziger Stadtbild und bietet einen glänzenden Rahmen für den Großen Leipzig liest-Abend der Leipziger Buchmesse am 15. März mit der britischen Bestsellerautorin Jojo Moyes.

Der Dresdner Hof wurde 1912/13 als Messehaus von Architekt Alfred Stentzler konzipiert und erbaut. Der große zentrale Saal im Gebäude wurde lange als Bier-, Konzert- und Speisewirtschaft unter dem Namen „Naumann-Bräu“ mit 1.000 Sitzplätzen bewirtschaftet und beherbergte später unter anderem das Leipziger Kabarett „Akademixer“. Mit dem neu eröffneten Kupfersaal, der bis zu 560 Gäste fasst, steht der Buch- und Musikstadt ein neuer Ort für Kultur zur Verfügung. Das verdanken die Leipziger und ihre Gäste zwei Vereinen, die den Saal als Hauptspielstätten nutzen: Livelyrix e. V. und Philharmonie Leipzig.

Lebendige Inszenierungen zeitgenössischer Literatur

Bereits im Jahr 2005 gründeten sächsische Verleger, Autoren und Literaturveranstalter den gemeinnützigen Verein Livelyrix e.V.. „Wir wollten insbesondere zeitgenössische Literatur lebendig, vielfältig und immer wieder neuartig inszenieren und eine breite Öffentlichkeit in den Veranstaltungsprozess einer freien Literaturszene einbinden“, erklärt Elisabeth Jaspersen vom Vorstand des Vereins. Livelyrix veranstaltet vor diesem Hintergrund seit mehr als zehn Jahren Lesungen, Poetry Slams und Literatur-Shows in Leipzig, die auf immer größeren Zuspruch beim Publikum stießen. Darüber hinaus begleitet und veranstaltet der Verein seit Jahren einzelne Solo-Künstler. „Dafür haben wir in der Vergangenheit immer wieder neue Räumlichkeiten gesucht und mit vielen tollen Partnern bzw. Veranstaltungshäusern und Locations zusammengearbeitet“, so Elisabeth Jaspersen, die zugleich Geschäftsführerin des Kupfersaals ist. „Mit dem Kupfersaal haben wir nun die Möglichkeit, viele unserer Veranstaltungen in einer eigenen Spielstätte zu vereinen.“ Der Vorteil: Die zwei unterschiedlichen Bühnen bieten eine große Flexibilität für konzentrierte Lesungen oder große Bühnen-Literatur-Show. „So können wir Künstler von ihrem ersten Solo-Auftritt bis hin zu einer ausverkauften Show vor mehreren hundert Zuschauern begleiten, was uns bei unserer Vereinsarbeit und Künstlerbetreuung sehr am Herzen liegt“, betont das Vorstandsmitglied des Vereins.

Überwältigende Resonanz

Und die Wahrscheinlichkeit, dass sogar der große Saal ausverkauft ist, scheint groß zu sein. Elisabeth Jaspersen äußert sich im Gespräch begeistert über die „nahezu überwältigende und positive Resonanz sowie den großen Zuspruch“, den das Haus in dem halben Jahr seit seiner Eröffnung für Veranstaltungen und das Gesamtprogramm erfahren hat. Viele Künstler, mit denen der Verein teilweise schon seit Jahren arbeitet, haben im Vorfeld die Strapazen einer fast zweijährigen Vorbereitungs- und Planungszeit für die Spielstätte verfolgt. „Sie haben geduldig darauf gewartet, dass wir ihnen endlich Termine in unserer eigenen Spielstätte anbieten können“, so die Geschäftsführerin. „Für dieses Vertrauen sind wir überaus dankbar! Das gilt übrigens auch für unser Publikum: Immer wieder mussten wir mit einzelnen Veranstaltungen aus finanziellen oder aus Platzgründen ‚umziehen’ – jetzt haben wir endlich einen Ort, an dem unser Publikum sich wohl fühlen kann und der sich ausgezeichnet für unsere Veranstaltungen eignet.“

Mit dem Kupfersaal hat nicht nur die Literaturszene in Leipzig eine neue Bühne erhalten. Auch die Musikstadt wird um eine Spielstätte ergänzt. Neben der Philharmonie Leipzig nutzen klassische Ensemble, Jazzcombos oder Singer/Songwriter den Kupfersaal. Seit Januar hat das Team um Elisabeth Jaspersen sein Programm um ausgesuchte Veranstaltungen für Kinder und Familien sowie Konzerte aus dem Indie- und Popbereich erweitert. Ab April werden Shows aus dem Bereich Wissenschaft/Infotainment dazu kommen.

Beitrag teilen


Einen neuen Literaturraum kann sich die Leipziger Buchmesse natürlich nicht entgehen lassen. Zum Großen Leipzig liest Abend am 15. März präsentiert die Leipziger Buchmesse die britische Bestsellerautorin Jojo Moyes im Kupfersaal. Sie stellt ihren druckfrischen Roman „Mein Herz in zwei Welten“ vor und spricht über ihre Romantrilogie. Denn „Mein Herz in zwei Welten“ ist der dritte und letzte Teil der Romanreihe um Louisa Clark. Nach dem Tod ihres Freundes zieht Louisa Clark nach New York, um nach einer langen Zeit der Trauer einen Neuanfang zu wagen. Doch schlägt ihr Herz mehr für die alte oder die neue Heimat? Das Buch knüpft unmittelbar an den Vorgängerroman „Ein ganzes halbes Jahr“ an, der als Vorlage für den gleichnamigen, ebenfalls sehr erfolgreichen Kinofilm diente. Weitere Infos zum Leipzig liest-Abend unter: http://www.leipziger-buchmesse.de/ll/veranstaltungen/28444

Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten

International Slider

„Vielgestaltigkeit erzählen“

Katja Gasser, künstlerische Leiterin des österreichischen Gastlandprojekts zur Leipziger Buchmesse 2023, über das Motto des Auftritts, erste Programm-Höhepunkte und den Mut, den es braucht, „mea ois wia mia“ zu sein.

Slider Wir

Wie am Schnürchen

Als Protokollreferentin arbeitet Carina Menzer zumeist hinter den Kulissen – auch bei der Leipziger Buchmesse sorgt sie für reibungslose Abläufe.

Markt Slider

Roter Faden

Alles handgemacht: Der schwäbische Künstler-Verleger Ulrich Keicher erhält in Leipzig den Kurt Wolff Preis 2021

Slider Wir

Brücke zum Osten

März-Splitter (1): Statt Messe-Eröffnung feierte Leipzig die Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung