Autor: Nils Kahlefendt

Foto: Martin Jehnichen

Blitzstart
15. Jan. 2020
Lea Amelie Peterknecht steigt schon während ihres Studiums fest bei der Buchmesse ein – und ist heute Projektmanagerin
Autor: Nils Kahlefendt

Foto: Martin Jehnichen

Blitzstart
15. Jan. 2020
Lea Amelie Peterknecht steigt schon während ihres Studiums fest bei der Buchmesse ein – und ist heute Projektmanagerin

Wenn eine gelernte Buchhändlerin ‚Peterknecht’ heißt, geht bei Leuten, denen die Branche nicht ganz egal ist, ein Lämpchen an: Unweigerlich denken sie an das Erfurter Traditionsunternehmen gleichen Namens, gegründet 1805, seit 1935 im Besitz der Peterknechts. „Ich bin nicht reingeboren, sondern angeheiratet“, sagt Lea Amelie Peterknecht lachend. Sie wuchs nicht im Thüringischen auf, sondern an der Mündung der Elbe in die Nordsee, in Cuxhaven. Seit März 2017 ist der Sohn von Peter und Katrin Peterknecht ihr Mann („Standesamtlich haben wir an einem Montag nach der Buchmesse geheiratet“). Kennengelernt haben sich die beiden angehenden Buchhändler während des Theorie-Blocks ihrer Lehre am mediacampus frankfurt. Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben… schon der alte Geheimrat Goethe wusste, wie das läuft.

Die Pudding-Probe

Die Bücher-Welt fand Lea Peterknecht von jeher spannend und keine Spur angestaubt. Aber wie und wo, bitte, kriegt man den Einstieg? Die Abiturientin entschied sich für die klassische Pudding-Probe („The proof of the pudding is in the eating“) und absolvierte Praktika bei der Drachenwinkel Buchhandlung im Saarland und beim Phantastik Verlag Feder & Schwert. Am Ende entschied sie sich für eine klassische Buchhändler-Lehre. Den praktischen Part absolvierte sie bei Jan Orthey, dem engagierten Chef der Lüneburger Buchhandlung Lünebuch .

The better Berlin

Nach dem Ende der Ausbildung zog es das frisch gebackene niedersächsisch-thüringische Paar ins schwer angesagte sächsische Leipzig. Die Stadt war damals nach Meinung der alten Tante „New York Times“ nicht nur „the better Berlin“, sie verfügte auch über den Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). „Das schien für mich, anders als Germanistik oder Buchwissenschaft, perfekt zu passen“, erinnert sich Peterknecht. „Sehr praxisorientiert, zugespitzt könnte man sagen: BWL mit Buchbezug.“ Das fünfte Semester ihres Bachelor-Studiums, komplett fürs Praktikum reserviert, absolvierte Lea Peterknecht bei der Leipziger Buchmesse. Sie steigt in die Programmarbeit ein, hilft bei der Koordination von Veranstaltungen im Bildungsbereich oder bei autoren@leipzig – und fühlt sich vom ersten Tag an genau am richtigen Fleck.

Erste Stelle als Noch-Studentin

Und sie hat Glück: Nach dem Ende des Praktikums im Mai wird bei der Buchmesse eine neue Projektassistentinnen-Stelle geschaffen. Das Anforderungsprofil ist breit, es reicht von der Ausstellerbetreuung bis zu Aufgaben im Kommunikationsbereich, etwa bei der regelmäßigen Aktualisierung der Website. Lea Peterknecht steigt noch während ihrer Bachelorarbeit, im sechsten Semester, ins Arbeitsleben ein, zunächst in Teilzeit. Zwei Monate später wird daraus eine volle Stelle. Blitzstart nennt man so etwas wohl. Am Wochenende vor der Frankfurter Buchmesse 2018 gibt Peterknecht ihre Bachelorarbeit über „Veranstaltungen als Kundenbindungsmaßnahme im Buchhandel“ ab. Passt.

Ein Wunsch-Job

Als Nora Furchner, Projektmanagerin in den Bereichen Kinder- und Jugendbuch, Phantastik sowie Manga-Comic-Con, die Buchmesse im Frühjahr 2019 verlässt, übernimmt Lea Peterknecht die Stelle. Eine ziemliche Schlagzahl, die junge Frau weiß das selbst: „Es ging wahnsinnig schnell, und ich hatte viel Glück. Aber es passt großartig. Ich kümmere mich heute genau um die Bereiche, die ich mir wünschen würde, wenn ich die freie Wahl hätte.“ Peterknecht brennt für Manga wie für Computerspiele, viele Akteure des Phantastik-Autoren-Netzwerks PAN kennt sie schon lange. Auch beim Gaming-Festival Dreamhack , das einmal im Jahr auf dem Leipziger Messegelände stattfindet, ist sie Stammgast. „Es ist ein Privileg, zu den Themen arbeiten zu können, die einen auch privat umtreiben“, sagt Peterknecht. „Aber genauso wichtig ist für mich unser Team. Schon beim Praktikum bin ich hier super aufgenommen worden – und daran hat sich bis heute nichts geändert.“

Lea Amelie Peterknecht, Jahrgang 1993, wuchs in Cuxhaven auf. Nach dem Abitur und ersten Praktika in der Buchbranche absolvierte sie von 2012 bis 2015 eine Buchhändlerlehre bei Lünebuch (Lüneburg). Von 2015 bis 2018 studierte sie Buchhandel/Verlagswirtschaft an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). Im Mai 2018 trat sie ihre Stelle als Projektassistentin bei der Leipziger Buchmesse an, seit April 2019 ist sie Projektmanagerin in den Bereichen Kinder- und Jugendbuch, Phantastik sowie bei der Manga-Comic-Con. Lea Peterknecht ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann in Leipzig.

Beitrag teilen


Für vier Märztage feiert Leipzig Buchmesse. Aber auch an den meisten der 361 buchmessefreien Tage des Jahres sind wir für Sie da. In loser Folge stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor, wer hinter den Kulissen in Leipzig die Fäden zieht, was uns um- und antreibt.

Weitere Beiträge, die Sie interessieren könnten

Slider Wir

Ideen Raum geben 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es: Als Teamleiter bei der Leipziger Messe-Tochter FAIRNET kümmert sich Christian Merkel darum, tolle Ideen auf die Straße zu bringen.

Markt

Die Leser-Messe

Interview mit Joachim Kaufmann, kaufmännischer Geschäftsführer des Carlsen Verlags

International

„Vielgestaltigkeit erzählen“

Katja Gasser, künstlerische Leiterin des österreichischen Gastlandprojekts zur Leipziger Buchmesse 2023, über das Motto des Auftritts, erste Programm-Höhepunkte und den Mut, den es braucht, „mea ois wia mia“ zu sein.

Wir

Wie am Schnürchen

Als Protokollreferentin arbeitet Carina Menzer zumeist hinter den Kulissen – auch bei der Leipziger Buchmesse sorgt sie für reibungslose Abläufe.

Markt

Roter Faden

Alles handgemacht: Der schwäbische Künstler-Verleger Ulrich Keicher erhält in Leipzig den Kurt Wolff Preis 2021

Wir

Brücke zum Osten

März-Splitter (1): Statt Messe-Eröffnung feierte Leipzig die Verleihung des Buchpreises zur Europäischen Verständigung

International

Ghost Books

Lebendige Literaturlandschaft, schwieriger Markt: Entdeckungen in Rumänien, Schwerpunktland der Buchmesse (Folge 2)