Gastartikel von Deborah Klein
Autor:innenmarke, ja oder nein? Die Antwort lautet: „Entwickle selbst eine Marke oder erhalte eine Marke von außen.“ Selbst wenn Sie als Selfpublisher:in oder Selbstverleger:in keine persönliche Marke ansteuern, schreiben Ihnen Ihre Leser:innen bereits eine zu. Der Eindruck, den Sie hinterlassen – ob bewusst oder unbewusst –, bleibt haften und prägt, wie Ihr Profil wahrgenommen und in Erinnerung behalten wird.
Eine Autorenmarke ist das, woran sich die Leserschaft erinnert
Was ist also Author Branding? Eine Autor:innenmarke ist kein Logo und kein Slogan. Es geht nicht darum, wie viele Follower:innen Sie besitzen oder wie perfekt Ihr Social-Media-Profil gestaltet ist. Das sind nur äußere Zeichen für etwas Tieferes. Im Kern ist Branding ein Versprechen, das Sie als Autor:in Ihren Leser:innen geben. Es sind die Themen, über die Sie schreiben, die Art, wie Sie mit Ihrem Publikum sprechen, und der einzigartige Stil, der Ihre Stimme, auch Branding Voice genannt, unverkennbar zu Ihrer eigenen macht. Es ist kurzum das, was jemanden dazu bringt, Sie auf dem Schirm zu haben – nicht nur für ein Buch, sondern für das folgende und darüber hinaus.
Markenidentität: Eine starke Bindung dank klarer Werte
Für Sie als Autor:in hilft der Aufbau einer starken persönlichen Marke dabei, diese Wahrnehmung zu steuern, sich von der Masse abzuheben und eine dauerhafte Verbindung zu Ihrem Publikum aufzubauen. Personal Branding ist schlichtweg die Kunst, die Wahrnehmung, die andere von Ihnen haben, zu gestalten und zu beeinflussen. Es geht über die reine Werbung für Ihre Bücher hinaus; es geht darum, eine fesselnde Geschichte darüber zu erzählen, wer Sie als Schriftsteller:in sind und was Sie antreibt. Dazu gehören Ihre Persönlichkeit, Ihre Werte, Ihr Fachwissen und Ihr öffentliches Image, die alle zusammen Ihre einzigartige Identität ausmachen.
Eigener Messestand als ideale Plattform
Sollten Sie sich als Selfpublisher:in oder Selbstverleger:in für einen eigenen Messestand auf der Leipziger Buchmesse entscheiden, ist dies ein absolutes Highlight für Ihr Personal Branding. Mit Ihrer Teilnahme als Aussteller:in erhalten Sie eine Live-Bühne für Ihre Bücher, Ihre Autorenmarke und den Aufbau Ihrer Community. Vor Ort entstehen häufig wertvolle Kontakte mit der Buchbranche und der Leserschaft.
Ob als Aussteller:in oder Besucher:in, für Ihren Auftritt auf der Leipziger Buchmesse sollten Sie auf einen einheitlichen Look achten, der Ihre persönlichen Markenwerte widerspiegelt. Gestalten Sie beispielsweise eine gemütliche „Wohnzimmer-Atmosphäre“ für maximale Nahbarkeit oder wählen Sie einen klaren Minimalismus für visuelle Klarheit und den Fokus auf ein einzelnes Buch. Wichtig ist, dass Sie im Vorfeld exakt definieren, wofür Ihre Identität steht, und den Stil Ihrer Marke – wie die Farben und die Typografie des Buchcovers – konsequent auf den Stand oder in Ihre Materialien vor Ort übertragen.
Mein Pro-Tipp: Sie können sich als Messebesucher:in an den Farben Ihres Covers bedienen und die Primärfarbe in Ihrer Kleidung spiegeln. Das ist dann zwar kein Messestand im klassischen Sinne, funktioniert aber hervorragend als eine sogenannte „Walking Brand“ – Ihre wandernde Autorenmarke im Messegetümmel.
Klare Werte für den Startpunkt
Wie startet man also? Autor:innenmarken beginnen mit klaren Zielen. Das mag simpel klingen, doch im Deep Work des täglichen Schreibens übersieht man diesen Schritt leicht: Bevor Sie also ein weiteres Update posten, einen Newsletter verschicken oder eine Lesung planen, fragen Sie sich:
Was möchte ich aufbauen?
Zu den gängigen und gleichermaßen berechtigten Autor:innenzielen gehören:
- Eine Fangemeinde kreieren: Menschen finden, die jedes neue Buch kaum erwarten können
- Neue und alte Werke wiederbeleben: Auch für ältere Werke kontinuierlich neue Leser:innen begeistern
- Zur echten Stimme werden: Als Expertin oder Experte im eigenen Genre wahrgenommen werden
- Die Freude bewahren: Den Spaß am Erschaffen neuer Werke ganz oben anstellen
Je klarer Ihnen das eigene Ziel ist, desto leichter wird es Ihnen fallen, dies insbesondere in Ihren eigenen Social-Media-Kanälen zu kommunizieren – gegenüber Ihrer Leserschaft, der Branche und auch als Versprechen an Sie selbst.
Owned Media: Social Media als persönliches Sprachrohr
Fakt ist: Für Sie als Autor:in ist die digitale Verbindung zur Leserschaft keine Option, sondern das A und O für die eigene Markenidentität. Die stärksten Autor:innenmarken entstehen oft dank einer Community, nicht durch Zufall oder eine Trendwelle.
Mein Pro-Tipp: Ihre Inhalte müssen nicht überall zu finden sein, und Sie müssen nicht alle Kanäle bespielen. Wenn Sie regelmäßig auf ein oder zwei Kanälen präsent sind, die zu Ihrem Stil und Ihrer Leserschaft passen, genau dann entsteht die Magie zwischen Ihnen und der Zielgruppe.
Folgende Rubriken für den Redaktionsplan beachten:
- Emotionale Impulse: Teilen Sie die Entstehungsgeschichte Ihrer Bücher, liefern Sie exklusive Fakten zu Ihren Charakteren oder erzählen Sie, woher der Funke für Ihr aktuelles Projekt kam.
- Persönliche Einblicke: Zeigen Sie Ihr Handwerk. Präsentieren Sie Ausschnitte Ihrer täglichen Schreibroutine, humorvolle Recherche-Funde oder einfach natürliche Schnappschüsse von Ihrem Schreibtisch.
- Nahbare Interaktionen: Branding bedeutet Dialog, also kommen Sie ins Gespräch. Stellen Sie Fragen, starten Sie Umfragen, und feiern Sie gemeinsame Meilensteine.
- Der werbliche Impuls: Informieren Sie vorab und zum Erscheinungstermin, wo und wie Ihre Bücher erworben werden können, welche Veranstaltungen (Lesungen, Termine auf der Leipziger Buchmesse etc.) anstehen oder welche Neuerscheinung geplant ist.
Letzter Gedanke: Der Aufbau einer Autor:innenmarke macht oftmals mehr Freude, wenn Sie es nicht alleine angehen. Meine Empfehlung: Suchen Sie sich gern eine „Marken-Partnerschaft“ mit anderen Autor:innen, Freunden oder einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten, die ebenfalls gern schreiben. Und denken Sie daran: Es geht nicht darum, sich neu zu erfinden – sondern sich zu offenbaren.
Über die Autorin:
Deborah Klein ist freie PR-Beraterin mit Sitz in Hamburg. Die Kommunikationsexpertin berät vor allem Verlage, Verlagsautor:innen, Selfpublisher:innen sowie Literaturagenturen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Sie fungiert seit 2026 auch als freie Dozentin mit den Schwerpunkten Autoren-PR und Personal Branding. Zu ihren Schwerpunkten gehören neben der klassischen Pressearbeit auch die Planung von Lesungen und die Produktion von Buchtrailern.



